Verschwundene Orte am Blaustein-See
Den Braunkohletagebauen Zukunft-West und Inden I mussten seit den 1950 Jahre insgesamt 9 Ortschaften auf Eschweiler Stadtgebiet weichen. Rund 2000 Menschen wurden in dieser Zeit in die umliegenden Orte umgesiedelt.
Zwei bedeutende Rad- und Wanderwege führen entlang dieser Ortschaften. Wegekreuze, Gedenktafeln und Erinnerungsorte sind Zeitzeugen der abgebaggerten Heimat.

Langendorf
1977 abgebaggert
250 Einwohner umgesiedelt
Der Ort lag rund 1 km westlich von Fronhoven. Die Bebauung des Dorfes entlang der Durchgangsstraße war umgeben von ausgedehnten Gärten und Obstwiesen. Bis zur Umsiedlung wurde der Ort von 24 landwirtschaftlichen Anwesen geprägt. Am Ortseingang lag der Hof von Peter Müller, mit dem Dorfkreuz aus dem Jahr 1762. Neue Heimat fanden die Menschen in Kinzweiler und Dürwiß.
oben: r. Restaurant Haus Esser, l. Denkmal am Hof Müller; Foto Franz Wings
u.l.: Straßenzug, Foto Franz Wings
u.r.: Auszug aus Kgl. Preuß. Landesaufnahme [1895] - Gemeinfrei



Laurenzberg
1974 abgebaggert
363 Einwohner umgesiedelt
Der Ort war landwirtschaftlich geprägt. Die Wasserburg Laurenzberg am südlichen Ortsrand wurde erstmals 1347 urkundlich erwähnt. Der Name des Ortsteils lebte mit dem dort im Jahr 1932 gegründeten Sportverein SC Bewegung Laurenzberg 1932 e. V. bis zur Fusionierung im Jahr 2020 mit Germania Dürwiß und Fortuna Weisweiler zum neuen Großverein FC Eschweiler 2020 e. V. weiter.
oben: Kirche Laurenzberg und Ortskern, Foto Eschweiler Geschichtsverein
u.l.: Burg Laurenzberg, Foto Eschweiler Geschichtsverein
u.r.: Auszug aus Kgl. Preuß. Landesaufnahme [1895] - Gemeinfrei



Velau
1953 abgebaggert
217 Einwohner umgesiedelt
Velau war der älteste Teil des Ortes Hehlrath, und musste bereits 1953 dem Tagebau Zukunft West weichen. Die Bewohner wurden schrittweise zum Großteil im Westen des Ortes und in Kinzweiler umgesiedelt. Die Landwirte musste auf Länderein am Niederrhein ausweichen.
Bilder:
oben.: Höfe Siegers und Mund im Hehlrather Ortsteil „Velau“ (Velau 128) kurz vor Abriss 1952 / Foto aus dem Familienarchiv Nikolaus Müller; aus 800 Jahre Hehlrath von Heinz-Theo Frings und Nikolaus Müller
u.l.: Klapperstr., Foto Eschweiler Geschichtsverein
u.r.: Auszug aus Kgl. Preuß. Landesaufnahme [1895] - Gemeinfrei



Fronhoven West
1974 abgebaggert
162 Einwohner umgesiedelt
Der Fronhof-Zehnthof, der dem Ort seinen Namen verlieh, war vermutlich schon um 900 n. Chr. Fronhof der Kölner Dompropstei, im Mittelalter Herrenhof der Herzoge von Jülich. Er musste gemeinsam mit der Filialkirche St. Josef weichen. Im Süden der Ortschaft wurde der neuer Ortsteil Neu-Lohn geschaffen, der den Umsiedlern eine neue Heimat bot. Fronhoven war Zentrum des ehemaligen Kirchspiel Lohn.
Bilder:
oben.: Zehnthof im Westteil von Fronhoven um 1960; Eschweiler Geschichtsverein
u.l.: Ortseinfahrt Fronhoven um 1974; Eschweiler Geschichtsverein
u.r.: Auszug aus Kgl. Preuß. Landesaufnahme [1895] - Gemeinfrei



Lürken
1965 abgebaggert
105 Einwohner umgesiedelt
Lürken lag nördlich von Eschweiler-Hehlrath. Die Einwohner von Lürken wurden in der Zeit von 1960 bis 1963 umgesiedelt. Der Ort wurde 1965 wegen des Braunkohletagebaus „Zukunft West“ als erster Ort im Bereich der "Gruppe West" abgebaggert. Im Zentrum lag die Wasserburg Lürken im Tal des Merzbachs. Neue Heimat fanden die Menschen in Kinzweiler und Dürwiß.
Bilder:
oben.: Lürkener Burg um 1960; Foto Eschweiler Geschichtsverein
u.l.: Hof von Heinrich und Gertrud Linnartz; um 1930; Foto von Franz Wings
u.r.: Auszug aus Kgl. Preuß. Landesaufnahme [1895] - Gemeinfrei



Gut Hausen
1976 abgebaggert
21 Einwohner umgesiedelt
Das Rittergut Hausen war bereits im 13. Jhrd. Adelssitz und diente über Jahrhunderte als Wohnsitz verschiedener Adelsfamilien der Region. Das Gut umfasste neben dem Herrenhaus auch landwirtschaftliche Flächen und Wirtschaftsgebäude, die für die Bewirtschaftung des Anwesens genutzt wurden. Im Zuge des Vorrückens des Tagebaus wurde ein Teil des Vorburgflügels abgebaut und südlich des Friedhofs im Aachener Stadtteil Brand wieder aufgebaut. Das restliche Gut musste den Baggern weichen.
Bilder:
oben.: Rittergut Hausen um 1980; Foto Hans Holtmann, Eschweiler Geschichtsverein
u.l.: Rittergut Hausen um 1980; Foto Hans Holtmann, Eschweiler Geschichtsverein
u.r.: Auszug aus Kgl. Preuß. Landesaufnahme [1895] - Gemeinfrei



Lohn
1974 abgebaggert
690 Einwohner umgesiedelt
Lohn war der geschichtlich und kirchlich älteste Mittelpunkt und größte Ort des ehemaligen Kirchspiel Lohn. Neben Lohn gehörten noch Fronhoven, Langendorf, Erberich, Pützlohn und das Rittergut Hausen dazu. Lohn hatte bis zum Beginn der Umsiedlung rund 690 Einwohner. Die Bebauung des Ortes war nahezu kreisrund um den Dortmittelpunkt angeordnet: den Marktplatz und die Kirche St. Silvester, die im Volkmund "Lohner Dom" genannt wurde. In Erinnerung an den "Dom" wurde am gleichen Standort nach Ende des Tagebaus und der Rekultiverung die Gedächtniskapelle gebaut und 2003 eingeweiht. Als Ersatzbauwerk für die Kirche in Lohn wurde 1972 in Fronhoven die heutige Kirche St. Silvester gebaut.
Bilder:
oben.: Marktplatz Lohn um 1910; Foto Postkarte, Eschweiler Geschichtsverein
u.l.: Modestraße Lohn um 1930; Foto Postkarte, Eschweiler Geschichtsverein
u.r.: Auszug aus Kgl. Preuß. Landesaufnahme [1895] - Gemeinfrei



Pützlohn
1975 abgebaggert
160 Einwohner umgesiedelt
Der Ort, dessen Name als Brunnen ("Pötz oder Pütz") am Waldrand ("ze Lohun") zu verstehen ist, war bereits zur Römerzeit besiedelt und lag an einer Heerstraße zwischen Weisweiler und Pattern. Pützlohn war überwiegend von Landwirten besiedelt, und umgeben von Gärten und Obstwiesen. Das ehemalige Wegekreuz mit den Namen der Pützlohner Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg steht heute am Ende der Pützlohner Straße in Fronhoven.
Bilder:
oben.: Wohnraus am Ortseingang, Eschweiler Geschichtsverein
u.l.: Ortsdurchfahrt Pützlohn um 1960; Foto Eschweiler Geschichtsverein
u.r.: Auszug aus Kgl. Preuß. Landesaufnahme [1895] - Gemeinfrei



Erberich
1985 abgebaggert
150 Einwohner umgesiedelt
Erberich lag auf halbem Wege zwischen Fronhoven und Aldenhoven, und bildete den nördlichsten Ort des Kirchspiel Lohn. Der Erbericher Hof wurde um 1150 n. Chr. erbaut, und bildete den Kern des Dorfes, der landwirtschaftlich geprägt von unzähligen Obstbäumen umrandet wurde. Ein Großteil der Bewohner wurde nach Fronhoven umgesiedelt.
Bilder:
oben.: Grüße aus Erberich; Foto Postkarte, Eschweiler Geschichtsverein
u.l.: Erbericher Hof um 1960; Foto Postkarte, Eschweiler Geschichtsverein
u.r.: Auszug aus Kgl. Preuß. Landesaufnahme [1895] - Gemeinfrei


